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Berechnung von Helmholtz-Resonatoren (2001)

Zur Bedämpfung störender Raumresonanzen lassen sich mit einigem Erfolg Helmholtz-Resonatoren einsetzen. Voraussetzung ist aber die genaue Kenntnis der entsprechenden Resonanzfrequenz. Diese sollte daher vorher meßtechnisch festgestellt werden.

Ein Helmholtz-Resonator besteht aus einem Feder-Masse-System. Hierbei sind ein großer Hohlraum (der betreffende Hörraum) und ein kleiner Hohlraum (das Helmholtz-Resonator-Volumen) über einen Kanal (Helmholtz-Resonator-Fläche und -länge) miteinander gekoppelt.
Bei einer bestimmten Frequenz (der Helmholtz-Resonator-Frequenz) beginnt der kleine Hohlraum zu schwingen und entzieht bei geeigneter Dämpfung dem Hörraum Energie. Zweckmäßigerweise wird daher entweder der Kanal oder das Volumen des Helmholtz-Resonators mit entsprechendem Dämmmaterial gefüllt.

Die Frequenz des Helmholtz-Resonators ergibt sich wie folgt:

f = 54.61 × √(π × R²/(V × (l + (π/2 × R))))

mit
f = Frequenz [Hz]
V = Volumen des Resonators [m³ = cm³/1000000]
l = Länge des Kanals in [m = cm/100]
R = equivalenter Radius der Fläche des Kanals [m = cm/100]
√() = Quadratwurzel
π = 3.1416
Der Wert 54.61 ergibt sich aus Schallgeschwindigkeit geteilt durch 2π in m/s.

Beispiel:

Wir haben einen rechteckigen Holzkasten (Wandstärke 19 mm = 0,019 m) mit einem Volumen von 100 Litern (= 0,1 m³), der eine rechteckige Öffnung von 35 cm × 20 cm = 700 cm² = 0.07 m² hat.
Der equivalente Radius beträgt sqrt(0.07/pi) = 0.15 m.
Die Kanallänge beträgt 0.019 m (in diesem Fall die Wandstärke des Kastens).
Es ergibt sich eine Helmholtz-Resonator-Frequenz von gerundet 91 Hz.

Weitergehende Hinweise zur Dimensionierung von Helmholtz-Resonatoren findet man hier.


Berechnung des Hallradius (2001)

Die Entfernung vom Schallsender (z.B. Lautsprecherbox), in welcher der direkte und indirekte Schallanteil im Hörraum gleichstark sind, nennt man Hallradius.

Der Hallradius für ungerichtete Quellen ergibt sich aus

rH = √(A0/(16 × π)) = 0.057 × √(V/T)

mit
rH = Hallradius [m]
A0 = Gesamtabsorption [m]
π = Kreiszahl = 3.1415927
T = Nachhallzeit [s]
V = Volumen des Raumes [m³]
√() = Quadratwurzel

Man unterscheidet hier noch
je nach Wellenlänge l zwischen Nahfeld (rH < 2 × l) und Fernfeld (rH > 2 × l).
Im Nahfeld der Quelle nimmt die Schallenergie mit mehr als 6 dB/Oktave ab, während im Fernfeld die Energie mit genau 6 dB/Oktave abnimmt.
Außerhalb des Hallradius nimmt in einem Raum die Schallenergie nicht mehr mit der Entfernung ab, da die Wände den Schall reflektieren.


 

Berechnung der Nachhallzeit (2001)

Unter Nachhallzeit versteht man die Zeitspanne, die vergeht, wenn ein Signal im Raum abgeschaltet wird und der daraufhin abfallende Schalldruck nur noch ein tausendstel (-60 dB) des Ursprungspegels beträgt.
Die Größe der Nachhallzeit eines Raumes ist außer von seinem Volumen auch von der Schallabsorption abhängig, die durch Möbel, Teppiche, Gardinen usw. bewirkt wird.

Kurze Nachhallzeiten kennzeichnen einen "trockenen" Raum mit guter Sprachverständlichkeit, während längere Nachhallzeiten zu einem halligen Klangeindruck führen.
In Räumen mit kurzer Nachhallzeit ist der Pegel im diffusen Schallfeld wegen des großen Hallradius relativ niedrig, während in halligen Räumen mit niedriger Schallleistung ein hoher Schallpegel erzeugt werden kann.
Die Nachhallzeit nimmt von tiefen Frequenzen nach hohen Frequenzen meist ab.
In großen Räumen kann infolge der unterschiedlichen Laufstrecken zwischen direktem und undirektem Schall ein merklicher Zeitunterschied auftreten. Beträgt die Zeitdifferenz mehr als 50 ms, so nimmt man ein Echo war.

Formelmäßig ergibt sich die Nachhallzeit nach Sabine aus

T = 0.163 × V/A0

mit
T = Nachhallzeit [s]
V = Volumen des Raumes [m³]
A0 = Gesamtabsorption [m²]
0.163 = Sabine'sche Nachhallkonstante [s/m]

Die Gesamtabsorption A0 ergibt sich aus der Summe der Teilabsorptionen, wobei die beteiligten Absorptionsflächen mit dem jeweiligen Schluckgrad a des Materials berücksichtigt werden.
Die Schluckgrade bezieht man tabellarisch auf die Schluckfläche einer Fensteröffnung, wofür der Schluckgrad mit 100 gesetzt wird.

Es ist

A0 = a1 × F1 + a2 × F2 + a3 × F3 + ...

mit
A0 = Gesamtabsorption [m²]
a1,a2 usw. = Schluckgrade der beteiligten Stoffe (Verhältnis von absorbierter und eingefallener Energie)
F1,F2 usw. = Absorptionsflächen [m²]

Die Schluckgrade sind je nach Frequenz verschieden. Über 4000 Hz sind die Schluckgrade weniger wichtig, da die Absorption der Luft in steigendem Maße überwiegt.

Werkstoff, bezogen auf 1 m²
125 Hz
250 Hz
500 Hz
2 kHz
4 kHz
Beton, Marmor 0.01 0.01 0.01 0.02 0.02
Ziegelmauerwerk 0.01 0.01 0.01 0.02 0.02
Putz 0.02 0.02 0.03 0.05 0.05
Holzfußboden 0.15 0.15 0.14 0.08 0.05
PVC-Bodenbelag 0.02 0.03 0.04 0.05 0.01
Teppich, 10 mm stark 0.09 0.08 0.20 0.30 0.45
Glas 0.04 0.03 0.02 0.02 0.02
Glasfenster 0.35 0.25 0.18 0.07 0.04
Baumwollstoff, an der Wand anliegend 0.04 0.08 0.13 0.32 0.40
Vorhang, normal, glatt 0.05 0.15 0.23 0.30 0.40
Vorhang, dick, faltig 0.10 0.30 0.40 0.60 0.75
Holztür 0.20 0.15 0.10 0.09 0.10
50mm Absorberplatte, Schaumstoff 0.15 0.27 0.63 1.00 1.00
50mm Absorberplatte, Glaswolle 0.26 0.60 0.95 1.00 1.00
bezogen auf die Anzahl        
Holzstuhl 0.01 0.02 0.02 0.04 0.03
Polstersessel 0.15 0.30 0.40 0.40 0.40
Zuhörer, sitzend 0.15 0.30 0.45 0.45 0.45

Man erkennt aus der Tabelle, daß besonders anwesende Personen in einem Raum große Absorptionen hervorrufen und damit die Nachhallzeit stark beeinflussen. Häufig ergeben sich in einem Wohnraum aufgrund der vorhandenen Einrichtungen ungünstige Nachhallwerte. Eine Korrektur ist dadurch möglich, daß zusätzlich an der Decke, den Wänden oder dem Fußboden verschiedenartige Schallschluckstoffe angebracht werden.

Schallschluckende Stoffe, die über den gesamten Frequenzbereich gleichmäßig wirksam werden, gibt es nicht. Man muß daher mehrere Stoffe kombinieren, um ihre Wirksamkeit den Notwendigkeiten anzupassen.

Bei Berechnung der Gesamtabsorption ist auch zu beachten, daß die Position der Schallschluckstoffe im Raum das Ergebnis nicht unwesentlich beeinflußt. Obige Tabelle gibt also nur den maximalen Schallschluckgrad an. Für genauere Bechnungen wendet man statistische Methoden (Monte Carlo) an.

Es gibt zwei große Gruppen von Schallschluckern:

Poröse Stoffe:

Hierzu gehören Teppiche, Möbelpolster, Vorhänge, Glaswolle usw. Bei ihnen dringt der Schall in die feine Poren und Kanäle ein und wird durch Reibung in Wärme umgewandelt. Die Schluck- oder absorptionswirkung ist bei diesen Stoffen um so größer, je höher die zu schluckende Frequenz ist.

Schwingungsfähige Stoffe:

Hierzu gehören Sperrholz- und Hartfaserplatten sowie Holztäfelungen, Wände von Möbeln usw. Durch die mehr oder weniger glatte Oberfläche werden die kurzen Wellen der hohen Frequenzen reflektiert. Bei tiefen Frequenzen werden jedoch diese Stoffe zum Schwingen angeregt. Hierbei verbrauchen sie durch innere Reibung Energie, die sie dem Schallfeld entziehen. Die Absorptionswirkung ist umso größer, je mehr bei tiefen Frequenzen ein derartiges Mitschwingen möglich ist.

Für die optimale Musikwiedergabe in Wohnräumen mittels Hifi-Anlagen sollten die resultierenden Nachhallzeiten in nachfolgendes Toleranzband fallen (DIN 45573, Teil 4):


 

Optimaler Standort von Racks und Regalen

Ein weithin unterschätztes Moment bei der Einrichtung einer Musikübertragungsanlage ist der Standort der Geräte, bzw. des Geräte-Racks. Besonders der Standort eines (Vinyl)Plattenspielers im Raum ist von elementarer Bedeutung für die erzielbare Klangqualität.

Worum geht es hier?
In jedem Raum bilden sich bei Schallanregung Raumresonanzen in Form von stehenden Schallwellen aus. Diese Raumresonanzen erzeugen regelmäßig im Raum verteilte Schalldruckmaxima und -minima.
Ziel der Überlegung ist nun, einen Standort für die Geräte und das Rack zu finden, bei dem diese möglichst wenig von Raumresonanzen angeregt werden können.

Eine Lösung wäre, sich durch unser Programm nach Eingabe der Raumabmessungen Punkte minimalen Schalldrucks berechnen und grafisch anzeigen zu lassen. Hier wird sofort ersichtlich, daß der nahe Wandbereich eigentlich denkbar ungünstig ist, da hier vermehrt Schalldruckmaxima auftreten. Die Geräte bzw. das Rack sollten besser hier 30 - 50 cm Abstand von der Wand halten. Entsprechend tief (also ca. 1 m) sollte man, sofern möglich, im Idealfall das Wandregal auslegen.
Mit Hilfe eines an die Anlage angeschlossenen Tongenerators oder einer Meß- bzw. Hörtest-CD oder Schallplatte läßt sich ebenfalls ein geeigneter Standpunkt festlegen.
In diesem Fall wählt man jeweils verschiedene Frequenzen im Bereich von 20 Hz bis 200 Hz. Bei jeder Frequenz läuft man durch den Raum oder die Wände ab und merkt sich die Standorte, wo ein Schalldruckminimum auftritt. Zweckmäßigerweise markiert man die Punkte im Raum mit Papierschnipsel oder was gerade zur Hand ist. Das Ohr halte man in Höhe des Rack- oder Regalmittelpunktes, da die Raumresonanzen nicht nur horizontal, sondern auch vertikal auftreten.

Besonderes Augen- bzw. Ohrenmerk sollte man auf die per Taschenrechner oder Programm gefundenen Hauptresonanzfrequenzen legen.
Ein kleiner preiswerter Schallpegelmesser (Conrad: ca. EUR 30,-) erleichtert die Sache ungemein.
Die Standorte der Schalldruckminima sind je nach Frequenz aufgrund der unterschiedlichen Wellenlänge verschieden gelegen. Hier muß also ein Mittelwert gefunden werden, bei dem ein Maximum an frequenzmäßig unterschiedlichen gefundenen Schalldruckminima auftritt.
Der endgültige Standort muß abschließend noch einmal auf ausgeprägte Raumresonanzen am besten mit einer stufenlos veränderten Frequenz (Sinus-Sweep) überprüft werden.

Es liegt nun nahe, daß die Lautsprecherboxen möglichst nahe am Rack stehen sollten, um die Kabelverbindungen möglichst kurz zu halten. Allerdings sollte auf keinen Fall das Rack zwischen den Lautsprechern auf gleicher Linie stehen, sondern ca. 1 m hinter die Frontlinie der Lautsprecherboxen zurückgesetzt. Ansonsten würde durch frühe Reflexionen am Rack die Darstellung der Räumlichkeit deutlich eingeschränkt werden.

Auf ähnliche Art und Weise lassen sich nun entsprechend den Erfordernissen optimale Standorte für Lautsprecherboxen und Hörerposition finden. Durch entsprechend geschickte Auswahl lassen sich in gewissem Maße noch Klangkorrekturen vornehmen.
Dröhnt der Bass bei einer gewissen Frequenz, so ist zunächst einmal festzustellen, ob die Hör-, Lautsprecher- oder Rackposition bei dieser Frequenz ein Raumresonanzschalldruckmaximum aufweist. In den meisten Fällen reicht eine kleine Veränderung der entsprechenden Position aus, um dieses Problem zu beheben.

Ähnlich geht man dann bei mangelnder Tieftonwiedergabe vor.

Der richtige Aufstellung von Lautsprecherboxen, Geräterack und Hörplatz ist das A und O jeder guten Musikwiedergabeanlage.
Bei zu stark ausgeprägten Raumresonanzen z.B. aufgrund ungünstiger Raumabmessungen empfiehlt sich in jedem Fall das Aufstellen von entsprechend berechneten Helmholtz-Resonatoren , um den ensprechenden Schalldruck bei dieser Frequenz im Raum herabzusetzen.


 

Was muß ein Netzkabel leisten?

(Dieser Artikel entstand aus einem Posting im Open-End-Forum.)

Hauptfunktion ist die Versorgung des Netzteils mit 230 V / 50 Hz und ausreichender Stromstärke.
Für letztere ist ein ausreichender Querschnitt der stromführenden Leiter notwendig; 3 x 2.5 mm² ist hier die in hochwertigen Installationen gebräuchlichste Ausführung. Mehr wäre besser, aber dann würde die Flexibilität des Netzkabels für den normalen Anwendungsbereich nicht ausreichen.

Ein möglichst großer Querschnitt des Netzkables ist nämlich auch anderweitig sinnvoll.

Um Potentialdifferenzen zwischen den Geräten zu minimieren oder gar zu unterbinden, ist es sehr sinnvoll, alle Geräte möglichst niederohmig in der Steckdosenleiste netzseitig miteinander zu verbinden (Stichwort: Einpunkt-Speisung. Das ist zwar kein technischer Ausdruck, aber jeder weiß, was gemeint ist).
Der Einsatz von extrem niederohmigen Netzkabeln ist dann besonders effektiv, wenn alle Geräte in einer besonders niederohmigen Steckdosenleiste wie z.B. der TMR STL 7as verbunden sind. Dabei spielt natürlich die Stärke der Netzzuleitung von der Hauptverteilung zur Steckdosenleiste in diesem Fall nur eine untergeordnete Rolle.
Wichtig sind tatsächlich die letzten Meter vor den Verbrauchern, um mal einer oft gehörten Entgegnung zu antworten, zumal bei Betrachtung des nächsten Punktes.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist nämlich die Einschränkung der Bandbreite des Netzkabels durch entsprechende LC-Werte oder sonstige Maßnahmen zur Erzielung hochfrequenter Verluste.
Alles, was die Netzfrequenz von 50Hz frequenzmäßig übersteigt, ist als unerwünschte Störung anzusehen.
TMR benutzt beispielsweise die Ummagnetisierungsverluste einer Ferritummantelung der einzelnen Adern für eine Absorptionswirkung bei hohen Frequenzen.

Ein im "audiophilen" Sinne wirksames Netzkabel hat auf jeden Fall eine Filterwirkung, denn was wir eigentlich hören, ist nicht "Netzkabelklang", sondern die An- oder Abwesenheit von Netzstörungen.
Netzfrequenz und -spannung haben keinen direkten Bezug zum Audiosignal und werden auch nicht durch übliche und zulässige Netzkabel verändert.
Allenfalls ein merklich höherer Innenwiderstand (wodurch auch immer) der Netzstromversorgung könnte einen Einfluß auf das dynamische Verhalten der Audiokomponenten haben.

Der letzte Punkte wäre die Abschirmung, um eine Neueinstrahlung von hochfrequenten Störungen oder eine Abstrahlung von elektrischen Feldern und damit eine Beeinflussung von in der Nähe liegenden Audio-Kabelverbindungen zu verhindern.
Eine Abschirmung des Netzkabels kann nur positive Auswirkungen auf das Klanggeschehen haben.

Vielen kommt dieser Aufwand etwas übertrieben vor. Allerdings sind sehr viele klangliche Effekte beim Aufbau einer Heimanlage einfach noch zu wenig geklärt. Vieles wird jedoch (auch und gerade von Kritikern) einer möglichen Störeinstrahlung auf Leitungen oder Geräte zugeschrieben (dazu aber auch später mehr).

Eines der (oft belächelten) Merkmale von "HighEnd" ist die "Überdimensionierung", die eigentlich allein darauf abzielt, möglichen, bislang noch wenig erforschten, aber theoretisch denkbaren Einflüssen von vornherein aus dem Weg zu gehen.

Wie kommen Netzstörungen in die Geräte?

Beschränken wir uns hier nur einmal auf die hochfrequenten Störungen. Gleichspannung (DC) und Netzfrequenzoberwellen (Netzklirr) spielen im Normalfall eine eher untergeordnete Rolle.
Die zur Störungsbeseitigung erforderlichen Netzfilter sind eigentlich von ihrer Funktion her frequenzabhängige Impedanzwandler. Ihre Wirkung besteht in einer durch gezielte Impedanzfehlanpassung hervorgerufene Reflektion der hochfrequenten Störungen. Das funktioniert auch wunderbar, solange Störungsquelle und -senke eine konstant frequenzunabhägige und daher leicht berechenbare rein ohmsche Impedanz aufweisen. Tun sie aber nicht.

Das Stromnetz als Störungsquelle weist eine komplexe Impedanz auf (siehe auch hier), dessen Werte beispielsweise zwischen 0,3 Ohm (50Hz) und 300 Ohm (10 MHz) schwanken.
Ein typischer Hifiverstärker als Störungssenke weist ebenfalls, vom Netz her betrachtet, eine komplexe Impedanz auf. Einerseits bedingt durch die Induktivität des Netztrafos, andererseits durch die bei Leistungsverstärkern vom Programmmaterial abhängige Stromentnahme (r=u/i).

Es ist daher kein Wunder, daß typische Netzfilter mit ihren festen passiven Bauteilwerten kein Allheilmittel darstellen können. Wenn weder Netz- und Lastimpedanz, noch Art der Störung bekannt sind, so können mit gleichem Filter an unterschiedlichen Orten unterschiedliche Ergebnisse erzielt werden.
Man betrachte nur das Produktsortiment von Corcom oder Schaffner um zu erkennen, daß eigentlich jede spezielle Situation ein spezielles Filter verlangt.

Zudem ist der Einbau in die Geräte (speziell Verstärker) nicht ganz unproblematisch.
Zum einen wäre die Auslegung des Filters nur auf "Verdacht" bzw. statistisch ermittelte Durchschnittwerte der Arbeitsumgebung des Filters möglich, zum anderen stellt eine hochwertige Ausführung einen nicht unbeträchtlichen Kostenfaktor dar, vom Platzbedarf einmal abgesehen.
Auch andere, hier aber nicht weiter zu erläuternde Gründe (z.B. Dynamikbegrenzung) sprechen gegen den direkten Einbau von klassischen Netzfiltern in Verstärker.
Bei Geräten mit verhältnismäßig konstantem niedrigem Stromverbrauch und bekannten Eigenstörspektren wie z.B. bei CD-Playern sieht das anders aus, obwohl diese aufgrund ihre Größe und Auslegung meistens nur EMV-Alibifunktion haben. Richtige, d. h. in weitem Bereich wirksame Netzfilter sehen anders aus, erfordern deutliche höhere Induktivitäten und mehrstufige Schaltungen (z.B. sogenannte Doppel-Pi-Glieder).

Wir haben gesehen, daß die Netzimpedanz aufgrund ihres induktiven Anteils bei hohen Frequenzen hochohmig ist. Leider ist die Lastimpedanz aufgrund der Netztrafoinduktivität bei hohen Frequenzen ebenfalls hochohmig und daher gut an die hohe Netzimpedanz angepaßt, so daß hochfrequente Störungen aufgrund der fehlenden Störungsreflektion (z.B. durch Impedanzfehlanpassung mittels Netzfilter) problemlos ins Gerät gelangen können.
An der ersten auftretenden Gleichrichterstrecke (in der Regel der Netzgleichrichter) werden die hochfrequenten Störungen gleichgerichtet und demoduliert, so daß nur noch die (jetzt niederfrequenten) Amplitudenschwankungen der Störung in Form der Hüllkurve auf der Stromversorgung zu finden sind.
Als nächste Station des Störungsweges findet man die Netzteil-Elkos. Dummerweise sind diese für das Nutz- und auch das nun niederfrequente Störungssignal in Reihe geschaltet und stellen mehr oder weniger nur einen Bandpass dar. Die Kapazität bestimmt die untere Grenzfrequenz, die meist unvermeidlichen induktiven Anteile die obere Grenzfrequenz. Daher spendiert man den Netzteilelkos gerne einen verlustarmen Bypass-Folienkondensator, was natürlich erwartungsgemäß die Durchlässigkeit von hohen Frequenzen erleichert.
Jetzt hat man nur noch die Möglichkeit, das komplette Netzteil aufwändigst zu stabilisieren, um die Fremdspannung etwas herabzusetzen. Das ist beim Endverstärker mit sehr hohem Aufwand verbunden, praktisch muß pro Kanal der Bauteilaufwand verdoppelt werden. Allerdings ist eine Störungsbeseitigung auch hier nicht möglich, da der Regler nicht mehr zwischen Nutz- und Störsignal unterscheiden, sondern nur stromentnahmebedingte Spannungszusammenbrüche nachregeln kann.

Es gibt also zur primärseitigen Netzfilterung keine echte Alternative.

Wie wirken sich Netzstörungen klanglich aus?

Das hängt natürlich von der Art der Netzstörung ab.
Nach meiner Erfahrung zeichnet sich eine netzgestörte Musikwiedergabe durch eine gewisse Rauhigkeit, Unruhe und Nervosität im Klangbild, sowie eine nach einiger Zeit auftretende Lästigkeit aus. Der Hintergrund der Musikwiedergabe ist nicht schwarz, sondern grau (anders kann ich das nicht ausdrücken). Sicher gibt es noch andere Merkmale (Räumlichkeit, Plastizität, usw.), hängen aber von der Gesamtsituation ab.

Bei der erforderlichen Netzentstörung sollte man auch den Kompensationseffekt nicht unterschätzen.
Netzstörungen wirken sich u.a. in einer Veränderung des Hochtonbereichs in Richtung hart und lästig aus.
Eine gut abgestimmte Kette, bei der diese Eigenschaft zuvor durch Wahl geeigneter Komponenten auskompensiert wurde, wird bei Wegfall der Netzstörungen (z.B. durch Einsatz von Absorptionskabel TMR NK2 oder Netzfilter) in dieser Hinsicht "überkompensiert" klingen, d.h. die Wiedergabe wird hochtonschwächer, ruhiger, vielleicht deswegen langweiliger und anscheinend weniger impulstreu und "undynamischer". Auch das subjektive "Timing" wird sich verändern. Diese beobachteten Klangveränderungen werden nun gelegentlich fälschlichweise primär dem Einsatz der Netzentstörungsmaßnahmen zugeschrieben, sind aber nur Ausdruck einer Überkompensation.

Zusätzlich wäre hierzu noch zu bemerken, daß aus der Psychoakustik bekannt ist, daß sich z.B. ein erhöhter Klirranteil im Audiosignal u.a. als subjektive Lautstärkeerhöhung und erhöhte Durchsichtigkeit auswirkt. Dieser Effekt wird leider heute oft im Studiobereich durch Einsatz entsprechender Geräte (Aural Exciter) ausgenutzt.
Aber auch in der täglichen Praxis kennt man diesen Effekt. Ein kleines Küchenradio, obwohl mit minimalem Lautsprecher und Verstärker versehen, kann aufgrund seiner Verzerrungen einen ohrenbetäubenden Lärm machen (der effektive Schalldruck beträgt höchsten 90dB), während eine "große" Anlage locker die doppelte Lautstärke erzeugen kann, ohne daß sich ein Gefühl übertriebener Lautstärke einstellt.

Daher hört sich für den ungeübten Hörer eine netzentstörte Anlage im ersten Moment manchmal zu "ruhig" an.

Hatte man zuvor den Hochtonbereich durch Auswahl entsprechender Komponenten zur Milderung der Netzstörungen etwas gedämpft, so können nach Beseitigung der Netzstörungen höher auflösende Komponenten gewählt werden.

Entsprechendes konnte man übrigens auch nach Einführung der CD beobachten. Da die ersten Player und auch die Aufnahmen mehr oder weniger "nervig" klangen, wurden viele Verstärker, Lautsprecher (und auch Kabel) verwendet, die verhältnismäßig dunkel abgestimmt waren.
Das war auch bitter nötig.
Nach heutigem Maßstäben klingt das mittlerweile aber alles ziemlich behäbig (ich will jetzt bewußt keine Namen nennen), bzw. die entsprechenden Gerätschaften wurden, wenn möglich, zwischenzeitlich in Richtung "Auflösung" und "Schnelligkeit" geupdatet.
Es hängt also alles vom Zusammenspiel der Kette ab.

Es lohnt sich also, zunächst bei der Stromversorgung bzw. Netzentstörung zu beginnen und danach seine Kette zusammenzustellen, um eventuellen Kompensationeffekten vorzubeugen.
Schließlich findet die Auswahl der Komponenten nicht nach objektiven Gesichtspunkten statt, sondern eher nach dem K.O.-Prinzip: Wer in die Kette hineinpaßt und sich gemäß dem Geschmack des Hörers einfügt, bleibt drin - wer nicht, muß draußen bleiben.


  1. Netzsteckerpolarität
  2. Netzsteckerpolarität bei TMR Netzfiltern und Steckdosenleisten (2002)
  3. Netzleitungen ohne Schutzkontakt
  4. Feststellen der richtigen Netzsteckerpolarität
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